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Rundgang Sehenswertes (86)

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Villenführer Greiz | Greizer Neustadt - Das Gründerzeit Quartier - Greiz im 19. Jahrhundert

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Greiz im 19. Jahrhundert

Das im thüringischen Vogtland gelegene  Greiz war einst Residenz– und Hauptstadt des Fürstentums Reuß älterer Linie. Landschaftlich reizend an der der Weißen Elster gelegen und mit drei Schlössern geschmückt wurde sie als „Perle des Vogtlandes“ bezeichnet. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Greiz von einem unbedeutenden Fürstensitz, fernab der wichtigsten Handelswege,  zu einem national bedeutenden Industriestandort.

Begünstigt durch die einsetzende Industrialisierung, die zunehmende Verstädterung der Bevölkerung und die Schaffung eines vereinheitlichten Wirtschaftsraumes nach der Gründung des deutschen Nationalstaates begann der rasante wirtschaftliche Aufschwung der Stadt wie auch des übrigen Vogtlandes zu einer der wichtigsten Industrieregionen Deutschlands. Auch die geografische Lage, an der Grenze zum wirtschaftlich aufstrebenden Königreich Sachsen war von  entscheidender Bedeutung. Der enorme wirtschliche Aufschwung in Sachsen griff schnell auf Greiz und das westliche Vogtland über, wo sich vor allem die Textilindustrie etablierte. Zwar lagen die Ursprünge dieses Textilgewerbes schon in der frühen Neuzeit, nun aber wurde im 19. Jahrhundert der Übergang zur mechanischen Produktion vollzogen. Besonders in der sogenannten Gründerzeit, die hauptsächlich mit dem deutschen Sieg im Deutsch-Französischen Krieg und der anschließenden Gründung des Deutschen Reiches 1871 ihren Beginn nahm, boomte die Wirtschaft. Zahlreiche Unternehmen entstanden und durch rege Bautätigkeit entstanden ansehnliche Industriebetriebe. Das gehobene Greizer Bürgertum und seine Fabrikanten erreichten ungedachten Wohlstand.

Die Stadt Greiz entwickelte sich mit dem naheliegenden Gera zu einer Hochburg der deutschen Textilindustrie und erreichte eine nicht unbedeutende, fast dominierende Weltstellung bei Kammgarnprodukten aus Kaschmir und Merino.  So bestanden in Greiz um 1900 bereits 60 Fabriken mit 9000 Beschäftigten und es wurden elf Millionäre unter den Greizer Fabrikanten registriert.

In der Greizer Neustadt, welche ab der Mitte des 19.Jahrhunderts auf den links der Elster liegenden Wiesen planmäßig angelegt wurde, entstand ein vollkommen neuer Stadtteil. Dieser bestand und besteht, abgesehen von den an seiner Peripherie gelegenen Bahnhof und einigen Fabriken, hauptsächlich aus imposanten Wohn- und Geschäftshäusern im historistischen Stil der Gründerzeit. Vor allem bauten sich hier wohlhabende Fabrikanten und Kaufleute repräsentative Stadtvillen.  Mit diesen wollten sie als aufstrebendes Bürgertum ein Zeichen ihres wirtschaftlichen und sozialen Aufstiegs in der Klassengesellschaft des Deutschen Kaiserreichs setzen und gesellschaftlich und architektonisch mit dem Adel gleichziehen. Diese gründerzeitlichen Villen wurden in den Stilformen des auf früheren Kunststilen zurückgreifenden Historismus gebaut und gehörten mit ihrer repräsentativen Pracht zum selbstverständlichen Habitus eines Fabrikanten oder Kaufmannes. Die heutige bauliche Erhaltungssubstanz  ist eine reichliche, da die Greizer Neustadt von den letzten großen Bränden 1902 und 1908 verschont wurde. Auch die katastrophalen  Wirren des Zweiten Weltkrieges und die Zeit des DDR-Regimes gingen an den Bauwerken fast  unbeschadet vorüber. So kann man heute auf ein Gründerzeitquartier blicken, welches mit wenigen Ausnahmen den baulichen Zustand seiner Entstehungszeit wiedergibt.

Quellen:
"Villen, Bürger- und Geschäftshäuser im Landkreis Greiz",
Herausgeber: Landratsamt Greiz
Fotos: Christoph Beer

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